Aktuell

Der aktuelle EnergieSchub fürs Denken:

Von wegen "selbst Schuld"

Schuldzuweisungen kommen gerne und schnell über die Lippen. "Selbst Schuld!" oder "Der da hinten ist Schuld". Eine kurze Formel, schnell ausgesprochen und schon scheint das Problem vom Tisch zu sein. Doch weit gefehlt. Denn dieses abstrakte Ding "Schuld" gibt es gar nicht. Was es tatsächlich gibt, ist Verantwortung. Die Frage danach, wer wofür verantwortlich ist, lässt sich jedoch nicht so leicht beantworten, wie eine schlichte Schuldzuweisung. Also wird es allzu häufig vorgezogen, die Frage nach der Verantwortung selbst vom Tisch zu fegen.

Und nun mal die entscheidenden Fragen auf den Tisch: wem nützen Schuldzuweisungen? Was wird dadurch besser, dass ein Mensch sich in Schuldgefühlen suhlt? Wem ist mit einem Schuldspruch wirklich geholfen? Wird mit einem Schuldspruch der Gerechtigkeit genüge getan? Oder vielleicht eher der Selbstgerechtigkeit?

Verantwortung hilft

Fragen wir mal nicht nach der Schuld, sondern nach der Verantwortung. Und nehmen wir dafür gleich den Extremfall: einen eiskalten Kindesmörder. Welche Verantwortung liegt bei wem nach einem solchen Verbrechen, das gar nicht wieder gut gemacht werden kann? Dem gesunden Menschenverstand folgend, ist die Gesellschaft, in der so ein Mord passiert, für zwei Dinge verantwortlich:

Sie muss sich um die Familie des Opfers kümmern. Leid auffangen, so gut es geht. Da sein. Bei der Bewältigung dieses Traumas helfen, bis es überwunden ist und die Familie wieder mit Zuversicht in die Zukunft schauen kann. Gleichzeitig ist die Gesellschaft dafür verantwortlich, dass dieser Mörder nicht noch einmal zuschlägt. Manchmal mag das lebenslange Einsperren das einzig Sinnvolle sein. Manchmal mag es verantwortlicher sein, dem Mörder zu helfen ein verantwortliches Bewusstsein und Handeln zu entwickeln. Das müsste von Fall zu Fall neu entschieden werden. Immer mit dem Fokus, das Lebensumfeld der gesamten Gesellschaft so lebenswert wie möglich zu erhalten und zu gestalten.

Der Fokus entscheidet über die Entwicklung

Merken sie, welche Veränderung passiert, wenn der Fokus weg von der Schuld hin zur Verantwortung geht? Der Fokus des Handelns richtet sich darauf, Leben und Sicherheit aller Beteiligten wieder zu verbessern. So mag das allzu menschliche Gefühl der Rache weiterhin hochkommen. Doch es wird ein Klima geschaffen, das die Einsicht in die Sinnlosigkeit von Rache erleichtert. Denn Rache setzt nur eine endlose Spirale der Gewalt in Gang, durch die nichts besser, aber alles schlechter wird.

Das Fokussieren auf die Verantwortung durchbricht diese Spirale. Es zeigt auf, wie sinnlos es ist, mit dem Finger auf Andere zu zeigen und sich damit zu begnügen, sie zu Schuldigen für das eigene Befinden zu erklären. Die Eltern des getöteten Kindes zum Beispiel hätten zwar Recht mit der Feststellung, dass ein eiskalter Mörder Ihnen alles genommen hat, was ihrem Leben einen Sinn gegeben hat. Doch wenn sie bei dieser Feststellung verharren und ihr Handeln davon dominieren lassen, verharren sie im Gestern und schneiden sich selbst jeden Weg eigener Weiter-Entwicklung ab, der aus ihrem emotionalen Desaster wieder herausführt.

Die Verantwortung für das Hier und Jetzt

Geht der Fokus aber über den Tellerrand des zugefügten Leides hinaus, mündet er in der eigenen Verantwortung für das eigene Glück im Hier und Jetzt. Das Wahrnehmen dieser Verantwortung eröffnet die Chance, das zugefügte Leid zu überwinden und wieder zu Glück und Zufriedenheit zu finden. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Familie dies aus eigener Kraft schafft, oder dank der Hilfe Anderer. Was zählt ist das überwundene Leid, das ein neues, erfülltes und zufriedenes Leben im Hier und Jetzt ermöglicht.

Und nun zu Ihnen: Sind Sie bereit, selbst im Falle des eiskalten Mörders den Gedanken an Schuld fallen zu lassen und statt dessen über Verantwortung nachzudenken? Wenn dem so ist, um wie viel einfacher muss es dann sein, auch in weniger drastischen Fällen so verantwortlich zu denken.

Verantwortung für Zufriedenheit

Schuldzuweisungen helfen nicht wirklich. Sie lenken nur ab von dem, was vielleicht unbequem aber unerlässlich ist: von der Übernahme der jeweils eigenen Verantwortung für die eigene Zufriedenheit, zu der in einer funktionierenden Gesellschaft auch die Zufriedenheit der Anderen gehört. Das aktive Handeln für die Verbesserung der Lebensumstände ist wichtiger als jede Schuldzuweisung. Es lohnt sich, dafür über den einen oder anderen Schatten zu springen.

Also probieren Sie es mal aus: streichen Sie das Wort "Schuld" aus Ihrem Wortschatz. Fragen Sie stattdessen danach, was in wessen Verantwortung liegt. Zeigen Sie erst Mal auf sich selbst, bevor Sie mit dem Finger auf Andere zeigen. Und dann fühlen Sie mal rein, was es mit Ihnen macht, die Schuld zu streichen und stattdessen in Verantwortung zu denken und zu handeln.


In loser Folge erscheint hier hin und wieder ein neuer Denkanstoß. Wenn Sie darüber jedes Mal per Mail informiert werden möchten: Blog abonnieren.

Den vollständigen Blog inklusive Archiv finden Sie hier: Der EnergieSchub fürs Denken